Sachbericht Konferenz „Auswirkungen der Reformation für den Glauben und die Geschichte Europas“

 An der Konferenz haben 63 Menschen aus sechs Nationen teilgenommen. Die Gruppe aus Litauen mussten kurzfristig absagen, da das gebuchte Busunternehmen Insolvenz angemeldet hat und den Transport nicht mehr durchführen konnte. Die bereits bezahlten Fahrkarten wurden leider bis heute nicht erstattet. 

Die Konferenz begann mit einem gemeinsamen Abendessen und einer anschließenden Begrüßung. 

  Am Vormittag des 05.10.15 präsentierten die einzelnen Gruppen die Ergebnisse ihrer „Heimatrecherchen“ zum Thema „Auswirkungen der Reformation“ in den jeweiligen Regionen. Durch diese Vorbereitung der Teilnehmenden in ihren Heimatländern mit dem Thema kamen schon bei der anfänglichen Präsentation erstaunliche Ergebnisse zu Tage. Kaum jemand hätte z.B. dem katholischen Polen eine intensive reformatorische Vergangenheit im schlesischen zugetraut. Neben diesem sehr intensiven inhaltlichen Einstieg in die Thematik konnten sich die Teilnehmenden der Konferenz durch diese Präsentationen und anschließenden Gespräche an den einzelnen Plakaten auch gut kennenlernen, was für den weiteren Verlauf der Konferenz von großer Bedeutung war. 

 

 Am Nachmittag führte der Projektleiter des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal die Teilnehmenden in die regionale Geschichte vor Ort ein. Außerdem kam die Gästeschwester, Schwester Anna, um mit den Teilnehmenden über die Thematik ins Gespräch zu kommen. So gilt das Kloster St. Marienthal unter  vielen Historikern als „Bollwerk“ des Katholizismus im reformierten Sachsen. Kaum einer weiß aber, dass auch auf dem Schwesternfriedhof eine ehemalige Äbtissin begraben ist, die aus dem Zisterzienserkloster ein ev. Frauenstift machen wollte. Der Konvent hat diese Äbtissin des Klosters verwiesen und erst viele Jahre später kam sie als einfache Nonne zurück. Viele andere Begebenheiten, wie z.B. die Spende des Bauholzes für den Bau der ev. luth. Kirche in Ostritz durch das Kloster kamen  bei dieser Einheit zur Sprache. Aber auch die problematische Zeit, als die Äbtissin in Ostritz konsequent von ihrem Vorkaufrecht gebrauch gemacht hat, um die evangelische Bevölkerung zurück zu drängen, oder die Aktionen des Klosters und des Rektors, um den ev. luth. Pfarrer bei der Ausübung seines Amtes zu behindern. 

 

Die Diskussion zum Lutherfilm, welcher am ersten Abend gezeigt wurde,  verlief sehr lebhaft und beschäftigte die Teilnehmenden noch die gesamte Woche. Dieser Film eignet sich zum Einstieg in das Thema wirklich gut, da vieles angesprochen wird, was in der Woche dann noch vertieft werden konnte. Man muss ja bei den Teilnehmenden bedenken, dass sie sich zwar in ihren Heimatregionen auf das Thema vorbereitet hatten, aber keine Experten waren. 

 Durch den Vortrag von Herrn Dr. Donath wurden weitere Grundinformationen zum Thema der Konferenz gegeben. Dieser Vortrag kam sehr gut an, was v.a. an der Art von Dr. Donath lag die jungen Teilnehmenden mit zu nehmen. Herr Dr. Donath ist Historiker und hat für das Schlesische Museum eine Ausstellung zur Reformation in der Oberlausitz, Schlesien und Böhmen gemacht. Dadurch ist er ein ausgewiesener Experte zu dem Thema, welcher der Konferenz wertvolle Impulse geben konnte. 

 Schwerpunkt der Veranstaltung waren die multinational besetzten Arbeitsgruppen. Hier kam es zur wirklichen Begegnung der Teilnehmenden und auch zur Auseinandersetzung mit dem Thema. Diese Arbeitsgruppen verliefen sehr harmonisch und auch inhaltlich konzentriert, was zum Erfolg des Konferenzs maßgeblich beigetragen hat. Durch die gemeinsame Arbeit kamen sich die Teilnehmenden ganz selbstverständlich nahe und knüpften Beziehungen, die wiederum Grundlage sind, dass sich die Teilnehmenden wohl fühlen und sich auch inhaltlich einbringen. In diesen Arbeitsgruppen thematisierten die Teilnehmende Inhalte der Reformation und tauschten sich aus. Hier wurden auch die Abschlusspräsentationen vorbereitet, die zum Teil sehr kreativ waren. So hat eine Gruppe z.B. eine Quizshow zu Fragen der Reformation gestaltet, eine andere ein Theaterstück einstudiert, wo es zu Spannungen und zur Versöhnung der Konfessionen ging etc. V.a. diese Arbeitsgruppen wurden von den Teilnehmenden gut aufgenommen.

 Die Exkursion nach Bautzen brachte durch die guten Erläuterungen des evangelischen Pfarrers weitere wichtige Impulse für die Veranstaltung. Solch eine Exkursion ist v.a. auch für Teilnehmende von weit weg sehr wichtig, so dass sie auch etwas von der Umgebung mitbekommen und nicht nur die Konferenzräume des IBZ´s. Dies steigert die Leistungsmotivation und kommt der Konferenz zusätzlich zu Gute.

Die Abendgestaltung, welche in der Hand der einzelnen nationalen Gruppen lag, wurde von den Teilnehmenden auch als sehr gelungen eingeschätzt. Die Gruppen hatten sich darauf schon zu Hause vorbereitet und haben neben reformatorischen Besonderheiten auch ihre Heimatregion im Ganzen vorstellen können. 

Die öffentliche Abschlussveranstaltung war etwas ernüchternd, da trotz Presseinformation etc. kaum jemand von außen kam. Dies sind aber übliche Erfahrungen des ländlichen Raums und der Schluss daraus ist zu ziehen den Teilnehmenden im Voraus schon zu sagen, dass kaum jemand kommen wird. Dann kann man die Enttäuschung sicherlich in Grenzen halten. Inhaltlich hatten sich aber alle Gruppen viel Mühe gegeben und es war eine gelungene und intensive Präsentationsveranstaltung.

An der Konferenz nahmen deutlich mehr weibliche als männliche Leute teil. Dies ist ein vielfach festgestelltes Phänomen bei internationalen Veranstaltungen.  Die Methoden sollten aber eigentlich beide Geschlechter in gleichem Maße ansprechen. Direkt Fragen der Genderthematik wurden in den Tagen nicht besprochen,  auch wenn natürlich die Rolle der Frauen in der Kirche immer wieder zur Sprache kam.

Durch die vielen Kleingruppenarbeiten gab es genügend Möglichkeiten für die Teilnehmenden sich bei der Konferenz zu beteiligen. Aber auch schon bei der Vorbereitung konnten die Teilnehmenden durch die Facebookgruppe Einfluss auf die Konferenz nehmen. Partizipation war u.a. auch bei der ersten Einheit gefordert, welche die Teilnehmenden schon zu Hause vorbereiteten und selbst Plakate von Auswirkungen der Reformation in Ihrer Heimatregion erstellten.

 Die Konferenz kann insgesamt als großer Erfolg gewertet werden. Dies spiegelten sowohl die Teilnehmenden zurück, als auch die Ergebnisse lassen diesen Schluss zu. 

 Die Vorbereitung der Konferenz wurde in den Monaten vorher per Mail, per facebookgruppe und in Einzelfällen auch telefonisch absolviert. Eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit brachte leider nur 3 Artikel in Zeitungen und Fachzeitschriften. Außerdem wurde eine homepage und eine Dokumentations DVD gestaltet, welche an eine Fachöffentlichkeit versandt wird.

archive seminar reporter

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